Der Suppenteller

 

Der Suppenteller

Das Leben bläst uns eisig entgegen und wir rollen uns zusammen, bis auf den tiefsten Grund unserer Seele, nur um nichts mehr spüren zu müssen. Die Dunkelheit der Erde hat uns dann fest im Griff. Alles, was uns noch bleibt, ist dann nach innen zu gehen. Die einzige Flamme, die uns dann noch nährt, ist die göttliche Flamme und wir tun gut daran, uns in diesen Zeiten an ihr zu nähren. Hier verstehen wir dann, dass nichts im Außen uns wirklich befriedigen kann, wenn unser Inneres nicht leuchten kann und sich frei entfalten darf. Dazu dürfen wir lernen unsere Begrenzungen zu überwinden und über den Tellerrand unseres Seins hinauszuschauen. Das Leben ist oft wie ein Suppenteller.

 

Wir sitzen alle zusammen als Suppenpartikelchen in einem Boot, in den Tiefen des materiellen Tellers. Wir schmiegen uns eng aneinander, geben uns gegenseitig Trost und stützen uns. Ein Individuum macht noch keine Suppe, kann uns aber die Suppe gehörig versalzen, falls wir ein falsches Individuum für unsere Lebenssuppe gewählt haben. Alle diese Individualpartikelchen in der Suppe reiben sich aneinander und so entsteht Energie, die wir wahrnehmen, wenn wir diese Suppe auslöffeln. Doch wir vergessen zwei Dinge. Zum einen gibt es da ein vorgeschriebenes Rezept (Staat und Kontrolle), zum anderen dürfen wir, als kleines Suppenpartikelchen, nur den uns vorgegebenen, inneren Raum des Suppentellers ausfüllen. Niemand darf über den Rand schwappen, schließlich sieht das auf der makellosen Fläche des Suppentellerrandes nicht schön aus.



Und dennoch gibt es hier und da Suppenpartikelchen, deren Sehnsucht nach Freiheit, nach Abenteuer erwacht, die sich keinem allgemeinen Rezept unterordnen wollen und die keine Lust mehr haben in der Suppe (Kollektiv) mitzutanzen. Partikelchen, die sagen: "Mir gefällt diese Zutat nicht mehr und mein Rezept ist leichter und einfacher und soll exotischer schmecken und meine Bedürfnisse befriedigen. Ich habe es satt und will die Suppe verlassen."



Sie beginnen also mühsam den inneren Bereich zu verlassen und versuchen sich am Tellerrand empor zu hangeln, doch hier gelten andere Gesetze. Niemals zuvor war dieses Partikelchen so alleine. Die ersten Zentimeter sind unglaublich schwer. Immer wieder rufen die anderen Suppenpartikelchen: "Tu es nicht! Das schaffst Du nicht!



"Spielverderber!" Was sie aber in Wirklichkeit sagen ist, dass sie Angst haben, im Stich gelassen zu werden und nun beginnen an ihrer schönen Suppe zu zweifeln. "Was ist wenn der Abtrünnige Recht hätte? Was ist, wenn da draußen eine unglaubliche Welt voller Farben und Magie wäre? Und was ist, wenn dieses eine Partikelchen dadurch dem allgemeinen Schicksal entrinnen könnte, aufgegessen zu werden und zu sterben?"


Die Suppe (Kollektiv) kann nicht zulassen, dass Partikelchen (Individueen) verschwinden, da die Suppe dann an Geschmack verliert für alle.



Doch kehren wir zurück zu dem abtrünnigen Suppenpartikelchen. Nach dem es seiner Angst (die Suppe zu verlassen) begegnet ist, kann es endlich über den Tellerrand schauen und erstarrt ob der Weite und Größe des Raums, der sich nun präsentiert. Und zum ersten Mal beginnt das Partikelchen zu verstehen, dass es mehr als den Teller gibt und selbst wenn man den mühseligen Weg über den Tellerrand geschafft hat, gibt es eine neue Welt zu entdecken. Eine leuchtende Welt, die von einem unendlich, liebenden Bewusstsein geschaffen wurde um unser Herz zu erfreuen und man beginnt zu verstehen, dass die ganze materielle Suppe schal schmeckt, wenn man sie in Bezug zu der unendlichen Suppe von Liebe und Güte setzt, die um uns präsent ist. Und man versteht auch, dass nicht nur sichtbare Partikelchen (unsere Welt) sondern auch unsichtbare Partikelchen (geistige Welt) am Aufbau der Schöpfung teilhaben. Und dann versteht das innere Herz des abtrünnigen Partikelchen endlich, das es niemals alleine ist, das alles um es herum das Werk eines unglaublichen Schöpfers ist, der liebend ist und Individualität fördert und es versteht, dass es nicht abtrünnig geworden ist, sondern einfach weitergegangen ist um einem höheren Ruf zu folgen, der aus dem tiefsten Inneren seiner Seele kam und damit hat es eine neue Welt entdeckt, die formbar ist und nur göttlichen Gesetzen unterworfen ist, aber keinen irdischen mehr und es versteht, dass es immer nur ein Gesetz geben kann und eine Wahrheit: Die Liebe und der Liebe zu folgen.